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Distraktionsosteogenese

Kreuzbiss / Engstand / Progenie
Seite für Zahnärzte, Kieferorthopäden und besonders interessierte Patienten

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vorher

Die zwanzig Jahre alte Patientin hatte als Kind schon eine feste Spange, mit vierjähriger Behandlung, welche  in einer anderen Praxis erfolgte.  Ein deutliches Rezidiv, mit bestehendem seitlichen und frontalen Kreuzbiss, sowie Egstand der Frontzähne veranlasste die Patientin zu einer kieferorthopädischen Zweitbehandlung und Korrektur der Zahn- und Kieferfehlstellung.

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Behandlungsdauer 1 Jahr u. 4 Monate

distost2gesnach

nachher

Diagnose:

Seitlicher und frontaler Kreuzbiss, bei transversaler Enge des Oberkiefers und auch des Unterkiefers mit deutlichem Zahnengstand und Flügelstellung der Oberkieferfrontzähne.

Therapie:

Die Patientin wollte auf gar keinen Fall, dass für die erneute Zahnstellungs- und Kieferkorrektur Zähne gezogen werden sollten. Auch sollten die Zähne in ihrer Form so wenig wie möglich verändert werden (also falls notwendig, nur ganz geringe approximale Zahnflächenpolitur, ASR od. Reproximation). Um die Zähne dennoch in den Kiefer einzuordnen, galt es, den Kiefer an sich größer zu gestalten. Sowohl der Oberkiefer, als auch der Unterkiefer mussten verbreitert werden, um eine Zahnstellungskorrektur ohne parodontale Nachteile zu ermöglichen und den Kreuzbiss zu überstellen.

Nach Rücksprache mit der kieferchirurgischen Praxis Dr.Dr.Kater, Bad Homburg (www.dysgnathie.de)  wurde eine chirurgisch unterstütze Gaumennaheterweiterung zur Verbreiterung des Oberkiefers und eine transversale Distraktionsosteogenes zur Verbreiterung des Unterkiefers geplant.

Transversale Oberkieferdistraktion

Für den Oberkiefer wurde eine Hraxschraube der Fa. Foresadent verwendet. Das vorgehen entsprach einer forcierten palatinalen Expansion nach Dr. Haas. Dabei wird der Oberkiefer nach chirurgischer Schwächung des seitlichen Oberkieferknochens (Osteotomie der lateralen Kompakta der Maxilla) in nur zwei Wochen um bis zu 10 mm verbreitert.  Die sich lösende palatinale Wachstumssutur öffnet sich und innerhalb von 6 Monaten bildet sich von der Oberfkieferbasis ausgehend neuer Knochen. Die Kompaktaregeneration mit Kallusbildung verhindert ein neuerliches Rezidiv.  An dem entstehenden Diastema wird der gewonnene Platz der transversalen Kiefererweiterung besonders deutlich. Das Diastema schliesst sich innerhaalb von 3 Monaten weitgehend selbst. Die abschleissende Korrektur erfolgt mit Multibandapparatur.

Hyrax in Situ

nach Gaumennahterweiterung

vorher

nachher

nach aktiver Behandlung

Transversale Unterkieferdistraktion

Für den Unterkiefer wurde eine Spezialdehnschraube der Firma Dentaurum verwendet. Nach medianer, chirurgischer Trennung des Unterkiefers in rechte und linke Hälfte, wird der Unterkiefer durch kontinuirliches öffnen der Dehnschraube erweitert. Auch hier bildet sich ein Diastema mediale, welches sich weitgehend von selbst schliesst. Die öffnung der Schraube erfolgt behutsam max. 0,4 mm pro Tag, um dem Knochen genügend Zeit zu geben, sich zu bilden. Nach einer Stabilisierungsphase von 3-6 Monaten kann mit der Multibandbehandlung zur Feineinstellung der Zähne fortgefahren werden.

vor Behandlungsbeginn

9 Wochen später vor Multiband
Lücke 1-1 geschlossen

Dist.-Ost.-Apparatur in Situ

Situation nach 6 Monaten Multibandbehandlung

nach Schraubenaktivier. 6,4 mm

nach Entbänderung

Vorteile der Distraktionsosteogenese

- Korrektur von Zahnengständen ohne Zahnkippung
- Ausformung der Zahnbögen ohne Prämolarenextraktionen
- funktionelle Verbesserungen von Nasenatmung und Bissfunktion
- Verkürzung der kieferorthopädischen Behandlungszeit
- postop. Stabilität durch echten skelettalen Zugewinn
- Vermeidung von freien Schleimhauttransplantaten

Behandlungsverlauf in Frontalansicht

vor Behandlung; generalisierter
Engstand mit Kreuzbiss 2. Qt.

Weiterbehandlung mit MB
(11 Monate)

Oberkiefer Hyrax 9,2 mm
Unterkiefeer 4,6 mm

Nach Entbänderung

Behandlungsverlauf mit Panoramaschichtaufnahme, Röntgendokumentation

OPT vor Behandlungsbeginn

OPT nach Aktivierung

UK Aufbiss nach Kontinuitätstrennung

OPT kurz vor Multiband

deutlich sichtbare Ossifikation

Dentalgestützte transversale Distraktionsosteogenese des Unterkiefers
Vergleich der dentalen und skelettalen Wirkung

Diagramm

1.Messg.

2.Messg.

3.Messg.

4.Messg.

5.Messg.

realer Knochengewinn
Schraubenaktivierung

Ordinate: Werte in mm
Abszisse: Anzahl der Messungen

Das Ziel der Distraktionsosteogenese im Unterkiefer ist die Beseitigung eines Engstandes, nicht durch Extraktion, sondern durch Knochengewinnung. Die Mandibula wird kieferchirurgisch median getrennt. Der entstehende Kallus wird mit einer lingual-dental verankerten Apparatur gedehnt. Vor dem chirurgischen Eingriff wird diese mit Bändern an den Zähnen 34 und 44, sowie an den Zähnen 36 und 36 verankert. Die Kraftübertragung erfolgt über eine lingual positionierte Schraube, die vom Patienten selbst nach einem festgelegten Plan gedreht wird. Durch die linguale Positionierung der Schraube ist die chirurgische Durchtrennung der Mandibula von vestibulär unter optimalen Sichtverhältnissen möglich. Gleichzeitig ist von vornherein sichergestellt, dass die Unterkieferhälften sich nicht unkontrolliert etwa in der horizontalen Ebene intraoperativ verschieben. Zusätzlich werden temporär zwei transgingivale Schrauben in den Unterkiefer inseriert, die vom Vestibulum zugängig und sichtbar sind. Sie befinden sich jeweils 15 mm subinzisal, zwischen den Wurzeln der Zähne 33-32 und 43-42. Sie dienen als Messpunkte und werden nach erfolgter Distraktion entfernt. Die Dehnapparatur wird bis zum Zeitpunkt der Verknöcherung des Kallus in Situ belassen.

Als Messpunkte dienen:

1. Die mesialen Kanten der Dehnschraubenmutter
2. Die distalen Enden der transgingivalen Schrauben

Hierbei wird jeweils der transversale Abstand gemessen.

Die Messungen erfolgen zweimal wöchentlich  mit einer digitalen Schieblehre.

Das Ergebnis der Messungen eines Beispielfalles werden im Diagramm durch unterschiedliche Säulen wiedergegeben.

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Der Inhalt dieser Seite wurde am 12.03.12 letztmalig aktualisiert. Diese Seite wird von keiner Firma und keiner Organisation unterstützt und erlaubt keine Werbung. Autor der Informationen ist. vis. Prof. Dr. Gerhard Polzar (K.K.U.) Kieferorthopäde.